14 Stolpersteine erinnern an Hünfelder Juden |
 HÜNFELD Er arbeitet beinahe wie am Fließband: der Künstler Gunter Demnig, der mit seiner Idee der Stolpersteine inzwischen in vielen Städten in ganz Europa Spuren hinterlassen hat – und am Freitag auch in Hünfeld Station machte. Etwas verspätet von dem Termin in Lauterbach, wo Demnig gestern ebenfalls Stolpersteine verlegte, traf er in Hünfeld ein und schien die Verspätung mit seinem enormen Arbeitstempo mehr als ausgleichen zu wollen. 14 ins Pflaster vor ausgewählten Häusern in der Hünfelder Innenstadt eingelassene Metallplaketten erinnern jetzt an ehemalige jüdische Bewohner der Haunestadt – alle mussten sie während der NS-Zeit ihre Heimat verlassen und die meisten von ihnen wurden in den Vernichtungslagern im Osten ermordet. Die Stolpersteine, die Namen und ein paar biografische Notizen zu jedem ehemaligen Bewohner tragen, sollen die Passanten ins Nachdenken bringen – so wie den Initiator der Aktion, den 24-jährigen Studenten Bastian Nitzschke, der in Münster auf die Steine aufmerksam geworden war und ein solches Projekt auch für seine Heimatstadt Hünfeld anstieß. Unterstützung erhielt er von Elisabeth Sternberg-Siebert, die mit ihren Veröffentlichungen über ehemalige jüdische Familien im Hünfelder Land viel Vorarbeit geleistet hatte. An den Verlege-Orten der Steine – in der Brunnen-, Garten- und Töpferstraße sowie am Niedertor und am Fuldaer Berg – lasen Schülerinnen und Schüler der Hünfelder Wigbertschule aus Briefen der einstigen Bewohner oder aus anderen Dokumenten aus dunkler Zeit. Besonders bewegend waren die Erinnerungen einer Nachbarin der Familie Nussbaum, die einst im einfachen Verhältnissen am Niedertor wohnte: Ida und Julius Nussbaum, die 1942 in Treblinka ermordet wurden, hatten ihren Nachbarn vor der Deportation noch eine Thorarolle und Dokumente anvertraut sowie Briefe an Verwandte – im Vertrauen darauf, dass es wieder eine Zeit geben würde, dass die Nachkommen Hünfeld besuchen könnten. Außer an die Nussbaums erinnern Stolpersteine auch an Meier und Czerna Bienstein, Isaak und Hulda Steinberger, Helene und Josephine Strauss sowie an Emilie Strauss, Frieda und Isaak Wertheim, Isaak und Klara Würzburger sowie an Manfred Weinberg. Erste Stadträtin Monika Mihm (CDU) hatte in Vertretung für Hünfelds Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel (CDU) den Künstler begrüßt sowie den Initiatoren gedankt. „Juden haben das Leben in Hünfeld über Jahrhunderte mitgeprägt“, erinnerte Mihm. Das verbrecherische Unrecht der NS-Zeit habe die Kultur der Stadt ärmer gemacht. „Und die Mahnung gilt auch heute, nämlich dass Ausgrenzung die Gesellschaft ärmer macht“, sagte sie.
Von unserem Redakteur Johannes Heller
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